nochmal aus aktuellem anlass

ticket

sind zwar noch drei monate, aber die vvk-karten sind bestimmt bald weg!

(man beachte auf dem foto übrigens auch meine gestern frisch umgetopfte ziehpalme im hintergrund – ja, ich weiß, ich habe eigentlich was anderes zu tun …)

marx gewinnt

nach nur einer woche wird die frage nach dem meistgelesenen theoretiker aufgelöst, da sich spontan eine neue frage ergeben hat. von den drei zur auswahl stehenden kandidaten hat marx mit 38% gewonnen, gefolgt von adorno mit 24% vor dem schlusslicht foucault mit 14%. 24% der insgesamt 29 stimmen wollten aber lieber wissen, wo die denn bloggen. es war diesmal nicht möglich, andere antworten hinzuzufügen. bis zur veröffentlichung dieses eintrags waren noch keine reaktionen auf das ergebnis bekannt.

darf ich vorstellen?

mein neuer mate, gestern frisch aus buenos aires gelandet und gerade noch im kurationsprozess:

mate

schade eigentlich, dass ich jetzt gar nicht mehr so viel mate trinken „darf“ …

und sonst? immer noch etwas krank (wer ist das eigentlich nicht?), aber der frühling sendet seine zeichen: gestern habe ich die ersten erdbeeren gekauft (zwar noch nicht so richtig süß, aber bezahlbar) und heute vom balkon die vögel zwitschern gehört. und ein fusion-flyer, der mir von der gestrigen techno-party, wo ich ja auch soooooo gern hingegangen wäre, mitgebracht wurde, verrät ein erstes line-up – was noch nicht mal im netz steht und daher hier für euch ganz „exklusiv“:

flyer

kristi und der 24. märz

heute vor 30 jahren …

als der putsch gegen allende seinen 30. jahrestag hatte, war das ganze hier irgendwie mehr thema – ist ja auch klar, dort wurde der versuch eines sozialistischen projekts beendet, während in argentinien in den jahren vor dem putsch das morden schon begonnen hatte. da ich nun aber nie in chile, dafür umso öfter in argentinien war, verbinde ich mit diesem 24. märz persönlich mehr als mit jenem 11. september. ich habe menschen kennen gelernt, deren eltern oder lebensgefährten von den militärs ermordet wurden oder die selbst in gefangenschaft waren und habe mich ausführlich mit der argentinischen menschenrechtsbewegung befasst, wer verfolgt hat, wie mir manchmal meine aktuellen piquetero-geschichten nahegehen, kann sich vielleicht vorstellen, wie das mit den 30.000 verschwundenen war und ist.

30.000 foto: argentina.indymedia.org

in den letzten drei jahren ergab es sich, dass ich an jedem 24. märz in buenos aires war und an den demonstrationen dazu teilnehmen konnte. bis 2004 gab es jeweils eine große demonstration, seit sich aber die menschenrechtsbewegung und die gesamte linke in einen pro- und einen contra-kirchner-teil gespalten hat, gibt es mehrere.
2003 ging kristi ganz alleine los, um den queer-block auf der erinnerungsdemo zu finden, hatte doch ein aufruf auf indymedia so etwas verlauten lassen. und prompt geriet sie in kontakt und gespräch mit freundlichen gender-aktivist_innen, die sie schon lange gesucht hatte.
2004 war kristi mit einer gruppe dort, zu besuch bei einer piquetero-organisation. dafür gab es dann die lange route, von bahnhof constitución 50 blöcke über congreso, dem traditionellen startpunkt am parlamentsgebäude, bis zur plaza de mayo.
2005 schließlich, es näherte sich das ende der feldforschung, beschloss kristi, den auflauf diverser erwerbslosenorganisationen zu nutzen, um eine kleine umfrage bezüglich der kosten und nutzen des engagements in diesen durchzuführen. es bedurfte tagelanger recherchen im vorfeld, um sich in diesem wirrwarr unterschiedlicher demorouten zurechtzufinden, ein schaubild wurde erstellt und ein genauer plan, wann wo welche organisation zu erwischen sein könnte.
traurig, dass auch die anwesenheit bei solchen anlässen verpflichtend ist und ein großer teil der menschen dahin geht, damit sie später ein paket mehl oder ähnliches dafür bekommen. hauptsache die anzahl der leute pro organisation ist so hoch wie möglich, scheint es. natürlich gibt es weiterhin einen großen teil von menschen, die wegen der sache dahin gehen. ich erinnere mich, dass eine frau, der ich mich mit meinem fragebogen näherte, auf die frage nach ihrer organisationszugehörigkeit mit madres de plaza de mayo antwortete. da hätte die anderen fragen wohl kaum gepasst. erschütternd aber andersherum: 90,3% der befragten sagten aus, dass ihre teilnahme mindestens einmal pro demo überprüft werde.

heute ist der 24. märz zum ersten mal ein feiertag, und auch das ist umstritten. aber ob die generäle wirklich nochmal in den knast kommen, ist noch eine andere frage. für heute nachmittag rufen 370 organisationen zur demo auf, die kirchner-madres haben das bereits heute nacht getan. ein paar hintergrundinfos dazu dürften heute auch in allen hiesigen ernst zu nehmenden tageszeitungen zu finden sein.

divergierende ausgehvorlieben

nach nunmehr 15 tagen ist auch für die gut angenommene party-umfrage ein ende gekommen. auf die frage „wohin gehst du am liebsten abends aus?“ wurden 52 stimmen abgegeben und damit ein erneuter teilnahmerekord erzielt. gewonnen hat mit 21% der abgegebenen stimmen die „genderterror az mülheim“, und damit zum ersten mal eine antwort, die von einem gast hinzugefügt wurde. dazu gesagt werden sollte, dass wahrscheinlich ein nicht zu vernachlässigender anteil der stimmen durch leser_innen von diesem blogeintrag von sv zustande gekommen ist, was aber ist im rahmen der hier geltenden regeln durchaus zulässig ist. daraus folgt, dass es sich bei der „genderterror“ um eine wirklich tolle party handeln muss und es stellt sich die frage, ob sie vielleicht auch mal auf tour geht?
ansonsten ist das feld sehr zerstreut. auffällig ist, dass die „schwulenparty“ in den letzten tagen noch einmal gut zugelegt hat und nun mit 15% auf dem zweiten platz gelandet ist. ich hoffe nur, dass da keine erneute manipulation zugeschlagen hat, denn wie dem analyseteam zugetragen wurde, gab es eine solche bei der letzten frage, die den anteil derjenigen, die sich nicht vorstellen könnten, selbst ein blog zu schreiben, unzulässig erhöht hat.
an dritter stelle landete das „hc-konzert“ mit 10%, den vierten platz teilen sich „technoparty“, „privatparty“ und „kiezkneipe“ mit je 8%, und auf dem fünften liegen „goaparty“ und „allerletzte kaschemme“ mit je 6%. Jeweils 4% erreichten „kneipe mit kicker“, „80er-party“ sowie „reggaeparty mit djs die keine homophoben lieder spielen“, und den letzten platz teilen sich schließlich das „kino“, die “ alltimefavourites-party“, “ privatmukke“ und „loungebar“ mit je 2%, was genau einer stimme entspricht.
zusammenfassend lässt sich also sagen, dass die ausgehgeschmäcker sehr verschieden sind. selbst wenn man das ganze jetzt noch clustern würde, könnte kein genre eine absolute mehrheit erreichen. die empirische evidenz, dass je größer die party-posse, desto schwieriger die abendplanung ist, zeigt sich hiermit statistisch belegt. das antwort-hinzufügen hat bei dieser frage ungeahnte ausmaße angenommen, weshalb es zur abwechslung jetzt mal eine frage gibt, bei der man sich zwischen den zur auswahl stehenden möglichkeiten entscheiden muss.

[nachtrag: wie mir soeben bestätigt wurde, ist die „schwulenparty“ tatsächlich nur aufgrund einer manipulation zum zweiten rang aufgestiegen, der ihr hiermit aberkannt wird. der manipulator hat aber nun versprochen, dieses in zukunft zu lassen, hoffen wir mal, dass er das einhält!]

koffein-entzug, dritter tag

ich versuche jetzt mal ein bisschen auf die beine zu kommen und werde gleich mal in der sonne spazieren gehen. dass ich als selbst ernannte mate-expertin letztlich kreislaufprobleme bekomme, erinnert mich ein bisschen an den marlboro-man, der an lungenkrebs gestorben ist (ich hoffe nur, dass ich nicht gleich sterbe!). vielleicht sollte ich das how-to nochmal um ein paar warnhinweise ergänzen?
nach zwei tagen relativer blogosphären-abstinenz ist es auch gar nicht so leicht, allen neuen einträgen hinterherzukommen – vielleicht sollte ich da auch mal etwas an meinem leseverhalten ändern, das kann ja auf die dauer nicht gut gehen. auch die umfrage ist inzwischen höchst überfällig, habe leider auch den 50-stimmen-moment verpasst, wobei lustig ist, dass wenn man die prozentzahlen bei den zur zeit 51 stimmen addiert, man tatsächlich auf 102% kommt! naja. vielleicht komme ich im laufe des tages noch zur analyse, wer also noch nicht gestimmt hat, sollte die letzte chance nutzen.

genau das richtige

für einen fertigen ausruh-sonntagnachmittag: nach den simpsons nun auch die eigene south park-figur erstellen:

south park kristi

(via necator)

gedanken zum müll

vor ein paar monaten klingelte einmal jemand bei mir, ein ordnungsliebender bürger, mit einem an mich adressierten briefumschlag in der hand. „sie haben da ihren müll auf die straße gestellt“, meinte er, ob ich den wohl entfernen könne, ich hätte ja noch einmal glück gehabt, dass er nicht vom ordnungsamt sei. dabei hatte ich nur einen karton mit altpapier neben den entsprechenden container gestellt, weil dieser überfüllt war. den hatten sie inzwischen geleert, aber nebenstehendes einfach liegen lassen. ich war damals ziemlich erschrocken, dass leute nichts besseres zu tun haben, als in anderer leute altpapier rumzuwühlen und den ordnungsheini zu geben.
gestern sah ich im fernsehen eine reportage über die „müllpolizei“, also die leute, die mir bei der gelegenheit erspart geblieben sind. seit sich dieses genre der dokus über ordnungshüter aller art, seinen es sozialamtsdetektiv_innen oder jugendhilfe-supernannys, etabliert hat, kriegt man ja doch noch mal so einiges mit, wie der hase beim ordnungsbesessenen deutschen so läuft. da wühlen diese abfall-spezis nun tatsächlich in an die straße gestellten müllsäcken herum, in der hoffnung, doch irgendwo eine adresse zu finden, deren bewohner_innen sie haftbar machen können, observieren tagelang einen imbissbetrieb, um nicht genügend zahlende müllentsorger zu entlarven. schlimm. vielleicht sollten sie demnächst noch fingerabdrücke von leeren joghurtbechern oder dna-spuren von kaugummis und zigarettenkippen sammeln, für hundekot gab es ja auch schon pläne einer gendatei.
was war das schön, als die müllabfuhr gestreikt hat! eine richtiggehende abfalll-anarchie! ein bisschen fast wie in argentinien. dort gibt es gar keine großen mülleimer oder -container, man stellt seinen müll einfach in tüten auf die straße. bevor die tägliche (!) müllabfuhr kommt, werden diese tüten – zumindest in der haupstadt – noch einmal, zweimal, viele male von den so genannten cartoneros durchsucht und verwertbares wie papier, plastikflaschen oder aluminium aussortiert.
nette menschen achten beim verpacken des mülls darauf, beispielsweise pizzakartons in eine extra-tüte zu packen. als mir einmal ein glas heruntergefallen war und die scherben nun auch irgendwie in den müll mussten (altglascontainer oder ähnliches gibt es da ja nicht), war es angebracht, diese in zeitungspapier einzuwickeln und mit einem warnhinweis zu versehen – nicht dass ein cartonero-kiddie sich durch mein verschulden schneidet.
ein rechter politiker meinte einmal, die cartoneros würde den müll klauen, er würde ja den bürger_innen bzw. der müllabfuhr gehören, und wollte die cartoneros kriminalisieren, konnte sich damit aber nicht durchsetzen. desweiteren gibt es immer wieder beschwerden von anwohner_innen, weil der müll so weiter verteilt wird oder einige plätze nur noch zum müllsortieren genutzt werden.
auf dem weg zu einem besuch bei einer piquetero-gruppe in der villa 20, einem armenviertel der haupstadt, kam ich einmal an einem ort vorbei, wo die cartoneros den müll verkaufen, ein viertel, dessen bewohner_innen wohl auch in vielen fällen davon leben. der durchschnittliche porteño (einwohner der stadt buenos aires) sieht diese müllhaufen wahrscheinlich niemals in seinem leben. mich hatte es wieder einmal betroffen gemacht.

19/20

heute habe ich über den aufstand am 19. und 20. dezember 2001 geschrieben. es ging mir richtig nahe, irgendwie. ich habe das damals von hier aus mitverfolgt, während ich ein referat über die argentinische wirtschaftspolitik vorbereiten musste, und habe deshalb noch die ganzen zeitungsartikel, die ich heute dann durchgeblättert habe. was bei wikipedia schlicht „starke unruhen und plünderungen“ heißt, markierte damals einen unglaublich wichtig scheinenden punkt, total unerwartet für die vom 11/9 geschockte und erstarrte linke. „die welt verändern ohne die macht zu ergreifen“ schien im „¡que se vayan todos!“ par excellence manifestiert.
oder bilde ich mir das nur ein? hat das hier überhaupt jemanden interessiert? es war auf den titelseiten. aber demos oder größere solidaritätsbekundungen erinnere ich nicht. ihr?
es ist auch schwer, über etwas zu schreiben, das so ereignisreich ist, aber das eigentlich nur ganz kurz abhandeln zu wollen und nur die interaktion zwischen 2 bestimmten akteuren da raus ziehen zu wollen, aber andererseits auch die gesamtsituation als gelegenheitsstruktur erklären wollen, in der andere akteure eine rolle spielen.
naja, auf jeden fall wollte ich eigentlich nur mitteilen, dass ich heute emotional berührt von meiner arbeit war, viel zu wenig geschrieben hab und langsam wirklich anfange, gestresst zu sein. ich musste heute mate kaufen gehen (5 kg, das reicht hoffentlich bis zur abgabe), mit öpnv (weil schnee), und wurde immer ganz hektisch, wenn ich irgendwo warten musste, weil ich so schnell wie möglich wieder zur arbeit zurück wollte.

mc castells

der freak unter den piquetero-anführer_innen, raúl castells, hat letzte woche einen comedor (eine art vokü für arme) in puerto madero eröffnet. puerto madero ist so etwas wie die hafencity von buenos aires, ein neues gastronomiebeladenes viertel, das gerade seinen 15. geburtstag gefeiert hat. dort sind sehr reiche leute unterwegs. wie mir zugetragen wurde, hat ein unternehmer sein restaurant nicht genehmigt bekommen, und aus „rache“ den laden an raúl castells von der mijd vergeben, um die anderen unternehmer zu verärgern.
hungrige arbeitslose im yuppieviertel! doch auch das lässt sich natürlich noch kommerzialisieren. bei der prominent besetzten eröffnung wurde piquetero-merchandise gegen lebensmittelspenden getauscht. von möglichen exkursionen für ausländische touristen wird gemunkelt (da gibt es doch auch eh schon die villa-tour, die können das bestimmt organisieren). solidarische ökonomie oder absurdes argentinien?







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