kristi und der 24. märz

heute vor 30 jahren …

als der putsch gegen allende seinen 30. jahrestag hatte, war das ganze hier irgendwie mehr thema – ist ja auch klar, dort wurde der versuch eines sozialistischen projekts beendet, während in argentinien in den jahren vor dem putsch das morden schon begonnen hatte. da ich nun aber nie in chile, dafür umso öfter in argentinien war, verbinde ich mit diesem 24. märz persönlich mehr als mit jenem 11. september. ich habe menschen kennen gelernt, deren eltern oder lebensgefährten von den militärs ermordet wurden oder die selbst in gefangenschaft waren und habe mich ausführlich mit der argentinischen menschenrechtsbewegung befasst, wer verfolgt hat, wie mir manchmal meine aktuellen piquetero-geschichten nahegehen, kann sich vielleicht vorstellen, wie das mit den 30.000 verschwundenen war und ist.

30.000 foto: argentina.indymedia.org

in den letzten drei jahren ergab es sich, dass ich an jedem 24. märz in buenos aires war und an den demonstrationen dazu teilnehmen konnte. bis 2004 gab es jeweils eine große demonstration, seit sich aber die menschenrechtsbewegung und die gesamte linke in einen pro- und einen contra-kirchner-teil gespalten hat, gibt es mehrere.
2003 ging kristi ganz alleine los, um den queer-block auf der erinnerungsdemo zu finden, hatte doch ein aufruf auf indymedia so etwas verlauten lassen. und prompt geriet sie in kontakt und gespräch mit freundlichen gender-aktivist_innen, die sie schon lange gesucht hatte.
2004 war kristi mit einer gruppe dort, zu besuch bei einer piquetero-organisation. dafür gab es dann die lange route, von bahnhof constitución 50 blöcke über congreso, dem traditionellen startpunkt am parlamentsgebäude, bis zur plaza de mayo.
2005 schließlich, es näherte sich das ende der feldforschung, beschloss kristi, den auflauf diverser erwerbslosenorganisationen zu nutzen, um eine kleine umfrage bezüglich der kosten und nutzen des engagements in diesen durchzuführen. es bedurfte tagelanger recherchen im vorfeld, um sich in diesem wirrwarr unterschiedlicher demorouten zurechtzufinden, ein schaubild wurde erstellt und ein genauer plan, wann wo welche organisation zu erwischen sein könnte.
traurig, dass auch die anwesenheit bei solchen anlässen verpflichtend ist und ein großer teil der menschen dahin geht, damit sie später ein paket mehl oder ähnliches dafür bekommen. hauptsache die anzahl der leute pro organisation ist so hoch wie möglich, scheint es. natürlich gibt es weiterhin einen großen teil von menschen, die wegen der sache dahin gehen. ich erinnere mich, dass eine frau, der ich mich mit meinem fragebogen näherte, auf die frage nach ihrer organisationszugehörigkeit mit madres de plaza de mayo antwortete. da hätte die anderen fragen wohl kaum gepasst. erschütternd aber andersherum: 90,3% der befragten sagten aus, dass ihre teilnahme mindestens einmal pro demo überprüft werde.

heute ist der 24. märz zum ersten mal ein feiertag, und auch das ist umstritten. aber ob die generäle wirklich nochmal in den knast kommen, ist noch eine andere frage. für heute nachmittag rufen 370 organisationen zur demo auf, die kirchner-madres haben das bereits heute nacht getan. ein paar hintergrundinfos dazu dürften heute auch in allen hiesigen ernst zu nehmenden tageszeitungen zu finden sein.

3 kommentare

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  1. : ) auf der 2003er demo hätten wir uns über den weg laufen können. sind wir vielleicht auch?


  2. wer weiß? schwer zu sagen, so im nachhinein. waren aber auch sehr viele menschen da! warst du denn dort auch bei den gltttb-aktivist_innen?


  3. nein, aber vorbei elaufen bin ich. ich war ja als prensa unterwegs und mal hier mal dort.


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