öde kante

aufgrund der freundlichen einladung meines ältesten freundes verschlug es mich gestern zum kante-konzert. die sind ja mittlerweile eine ziemlich bekannte band geworden, anders als vor ca. 4-5 jahren, als ich sie zuletzt sah und begeistert war. dementsprechend war die neuerdings beliebte konzert-location auch gut gefüllt, im hinteren bereich war es allerdings noch angenehm leer. kante die vorband nicht erwähnenswert (ich weiß auch nicht mal ihren namen), war mein erster eindruck vom hauptact: „der gesang ist viel zu laut!“, sofort gefolgt von „die haare des sängers sind viel zu lang!“
wohl verstärkt durch meine unkenntnis der neueren stücke fand ich die gesamte veranstaltung eher langweilig, dieser neue rockigere stil hat mich nicht überzeugt. vielleicht ist es auch einfach weder meine szene (ich kannte niemanden) noch meine musik, zumindest nicht mehr. vielleicht ist es auch einfach keine gute live-band. statt der versprochenen elektro-party im anschluss gab es dann so ’nen alternative-scheiß, weshalb wir uns als anschlussplan glücklicherweise für den konsum günstiger alkoholischer getränke an einem anderen ort entschieden.

tara, tara …

… das internet ist da!

ex-verschwundener verschwunden

seit montag, dem 18. september, ist der 77-jährige argentinier julio lópez verschwunden. lópez war 1976 von militärs entführt worden und nun hauptzeuge in dem verfahren gegen den an seiner entführung beteiligten militär miguel etchecolatz, der am 19. september wegen folter, mord und entführung von regimegegnern zu lebenslanger haftstrafe verurteilt wurde.
in diesen momenten finden an verschiedenen orten in argentinien zahlreiche demonstrationen statt, die lópez‘ „erscheinen am leben“ (lässt sich schlecht übersetzen) von der regierung kirchner fordern:

julio lopez verschwunden

allerdings scheint sich auch hier die spaltung der linken/ menschenrechtsbewegenug in pro- und contra-kirchner widerzuspiegeln, so wird denn auch in regierungskreisen wiederum vermutet, es könne sich bei der mutmaßlichen entführung um eine antwort auf kirchners menschenrechtspolitik von seiten der an der repression während der militärdiktatur (1976-1983) beteiligten handeln. der gouverneur der provinz buenos aires schließt nicht aus, dass polizeibeamte verwickelt sein und es um die einschüchterung weiterer zeugen gehe.

update:

lopez-demo

an der gestrigen demonstration gegen das verschwinden von lópez zur plaza de mayo beteiligten sich etwa 20.000 bis 40.000 menschen. nilda eloy von der asociación de ex detenidos desaparecidos hielt den einzigen redebeitrag, der von mehreren hundert organisationen und gruppen unterzeichnet wurde. in diesem wurde unter anderem thematisiert, dass der sicherheitsminister von buenos aires kürzlich zugegeben hat, dass 60 bonaerensische polizisten, die während der diktatur in den folterzentren aktiv waren, bis letzten freitag im amt waren. dabei scheint es sich jedoch nur um die spitze des eisbergs zu handeln, keiner weiß, wie viele der funktionäre aus streitkräften, polizei und geheimdienst in der vergangenheit zu den repressoren gehörten.

lopez-demo plaza de mayo

update 2:

von der demonstration gibt es mittlerweile auch ein video.

kontextferne illustration

mein prüfungsthema wurde heute von meinem prof akzeptiert, obwohl er bisher nicht wusste, was blogs sind. dann lernt er halt was dazu …
jetzt kann es also mit voller kraft voraus losgehen mit dem lernen. und dem berichten über das, was mir auffällt, aber nicht prüfungsrelevant ist. so zum beispiel diese fotos, die in dem buch BLOGS! – TEXT UND FORM IM INTERNET von don alphonso und kai pahl zu finden sind:




(das copyright der abbildungen liegt bei mitautor und fotograf kai pahl, ich hoffe mal, dass es sich hierbei um eine verwendung im rahmen des zitatrechts handelt, im gegenteiligen fall bitte ich von einer klage abzusehen und sich vertrauensvoll an mich zu wenden)

das witzige an der sache ist, dass diese hamburger politaufkleber- und plakat-fotos so jenseits von dem text stehen, dass es schon fast absurd ist. in den beiträgen geht es nämlich sehr wenig um politik, und schon gar nicht um autonome! was haben sich die autoren wohl dabei gedacht?

vergangenheitsverlust

weil mein internet in den letzten monaten nicht mehr so richtig gut funktionierte (deshalb habe ich ja einen eigenen dsl-anschluss bestellt, der zwar seit gestern freigeschaltet ist, aber aufgrund von hardware-lieferungsproblemen noch nicht nutzbar), war lange nichts mehr mit chatten. so habe ich mich auch seit einiger zeit nicht mehr beim msn-messenger angemeldet, die dazugehörige hotmail-adresse benutze ich eigentlich eh nicht mehr, auch wenn sich manchmal noch die eine oder andere nachricht dahin verirrt. gestern fiel mir dann ein, dass es da diese verfallsregel gibt, und prompt bekam ich die grausamkeit von microsoft zu spüren: da ich seit mehr als 30 tagen nicht mehr angemeldet war, wurde mein konto deaktiviert. ich konnte zwar die adresse wieder in betrieb nehmen, aber alle dort gespeicherten e-mails sind unwiederbringlich verloren. das ist besonders schade, da es sich um meine allererste e-mail-adresse handelte, mit der ich in den jahren 1999-2001 unter anderem auch von einem längeren argentinien-aufenthalt aus kommunizierte. auch wenn ich vielleicht niemals diese e-mails, auch die von mir geschriebenen, nachgelesen hätte, ist es doch höchst ärgerlich, dass so ein stück persönliche geschichte jetzt irgendwo im datenmüll verschwunden ist. als wenn ein karton mit alten tagebüchern und briefen aus versehen im altpapier gelandet wäre.

eingebung

da lese ich stundenlang in irgendwelchen fachzeitschriften und einführungen, immer ratloser ob der vielfalt der zur auswahl stehenden themenbreite, schon fast am verzweifeln an meiner entscheidungsunfähigkeit, bis mir plötzlich, schlaflos um zwei uhr nachts, einfällt, dass ich doch einfach das thema „weblogs und politk“ für die klausur nehmen könnte, so in verbindung mit „elektronischer demokratie“. vielleicht noch etwas genauer eingrenzen, aber die recherche reizt mich immerhin. zumal, wenn ich mich im letzten jahr nebenbei mit einem thema beschäftigt und ein gewisses hinterhalbgrundwissen angesammelt habe, dann war das eben dieser ganze web 2.0-kram, und deshalb ist es einfach naheliegend. ich hoffe nur, dass auch mein prof damit was anfangen kann …

krankes tv-vergnügen

das war ja klar: kaum fängt kristi an, mal wieder mehr als drei stunden am stück inhaltlich zu arbeiten, lässt die nächste krankheit nicht auf sich warten. erkältung, und das bei dem wetter! immerhin eine gelegenheit, sich mal wieder in die abgründe bundesdeutschen tv-alltags zu begeben.

so konnte ich mir am dienstag die unsägliche frau maischberger mit ihren gästen zum thema „lebenslüge feminismus?“ zu gemüte führen. um sich das niveau der sendung klarzumachen, sei nur erwähnt, dass uschi glas zu denjenigen gehörte, die im verhältnis progressivere positionen vertreten haben! am unsäglichsten frau elisabeth motschmann, kulturstaatsrätin in bremen, die eine unglaubliche diskriminierung zu hause bleibender mütter durch den feminismus ausmachte. jaja, der mächtige feminismus, die armen hausfrauen. schon mal was vom ehegattensplitting gehört, frau motschmann?
dass männer und frauen unterschiedlich sind, darüber war man sich recht einig, geschlechterforscher gerhard amend (kein wunder, dass dieser mir in meinem studium nie begegnet ist) beklagte sich über den bösen dekonstruktivismus, der vorspiele, man könnte sich aussuchen, ob man mann oder frau sein wolle. dass „wir“ unterschiedlich seien, dass sei doch gut, daraus resultiere doch schließlich auch das gegenseitige begehren. immerhin versuchte charlotte roche zu erklären, dass sich in ihrem alltag die geschlechterrollen nicht mehr so eindeutig darstellten und ihre männer ihr immer den haushalt machten, aber dass es auch ein leben jenseits der heterosexualität gibt, kam in der sendung überhaupt nicht vor. feminismus sei die vereinbarung von karriere und familie, so die message der talkrunde. kristi empfiehlt dagegen zur weiterentwicklung eines new-school-feminismus die lektüre des und beteiligung am mädchenblog.

highlight des gestrigen abends war hingegen die ard-doku „die liebesprüfer – behörden im kampf gegen scheinehen“. wie der titel schon verlauten lässt, war klar, wer hier die bösen sind. scheinehen gebe es zwar viele, aber die behördenmitarbeiterin interessiere sich nur für die, deren einer teil ein „ausländer“ sei. interessant zwar, welch perfide mittel dort angewendet werden, vom getrennten interview über das ausfragen der nachbar_innen bis hin zu unangekündigten hausbesuchen, aber unerträglich, wie einseitig das thema in der sendung angegangen wurde. die frage, ob jeder mensch vielleicht das recht haben könnte, aus den gründen zu heiraten, die sie_er für richtig hält, wurde nicht einmal gestellt. für eine andere sichtweise auf das thema sei der kleine heiratsratgeber von kanak attak ans herz gelegt.

und heute? vielleicht mal wieder frauentausch, die richtig trashige reality-doku-soap-unterhaltung bei rtl 2 mit garantiertem emo-faktor?

geschlossene gesellschaft

den entspannten nachmittag leitete man mit einer runde ohne wühlen über den beliebten flohmarkt ein, bevor als erster interessanter punkt die begegnung mit riot propaganda gesucht wurde, welcher aufgrund eines mir übermittelten fotos äußerst leicht zu identifizieren war. nach einigen nicht erwähnenswerten bands, die zum rückzug in den biergarten verleiteten, spielte mit schneller autos organisation das highlight des tages auf.
schneller autos organisation
lange nicht mehr gesehen, die jungs, so überraschte der deutliche trend zur hamburger schule in den neueren stücken. die letzte band narcolaptic verführte einige zum pogen zwischen fahrradständern, während andere sich die übertragungen des parallel laufenden pokalspiel des kiezvereins zu gemüte führten. praktischerweise ging es in die verlängerung, sodass das erste lagerfeuer erst brannte, nachdem die zum fest gehörige party bereits ihre türen geöffnet hatte.
lagerfeuer
die erfahrungen aus dem letzten jahr beachtend, entschied ich mich diesmal für den sicheren weg und holte mir gleich einen stempel. beobachtete noch kurz das geschäftige treiben erlebnisorientierter jugendlicher, aber nachdem sich die ersten uniformierten im park bereitstellten, trat ich die flucht nach innen an. aufgrund fehlender schaufenster entging mir zwar die große show, aber ein paar skurrile momente boten sich trotzdem. von der tanzfläche aus einen wasserwerferstrahl vor der tür zu sehen passiert ja auch nicht alle tage. ab irgendeinem punkt war der zugang zum gebäude nicht mehr gewährleistet, die noch recht spärlich gefüllte tanzveranstaltung musste sich vorerst mit den vorhandenen besucher_innen begnügen, die ja auch nicht einfach wieder gehen konnten. immerhin war die musik ganz nett, und aufgrund der lage machte es nicht mal etwas aus, im zweifelsfall mehr oder weniger alleine zu tanzen.
discokugel
um kurz vor drei dann öffnete sich dann endlich die tür und diejenigen, die sich die straßenschlacht aus den gegenüberliegenden cafés zu gemüte geführt hatten, konnten sich zu den eingeschlossenen dazugesellen und so feiern, als wenn nichts gewesen wäre.

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mittlerweile gibt es auch zahlreiche berichte von „draußen“:
ausführlich und reich bebildert: riot propaganda
wild und gewohnt dumpf diskutiert: indymedia
festnahme-methoden kritisierend: taz hamburg
bisher völlig unbekannt: gegenglück
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kulturelle nabelschau

anlässlich des bevorstehenden schanzenviertelfestes luden „einige leute aus dem flora-umfeld“ zur talkshow in ebendieses etablissement, um unter dem titel „kultur und propaganda“ den stand und die (un)möglichkeiten einer linken kultur zu diskutieren. gut gefüllt die große halle, stilecht saßen vertreter_innen verschiedener, mehr oder weniger linker kulturprojekte auf polstermöbeln im dunklen scheinwerferlicht.
nacheinander berichteten sie zunächst, der delegierte der fusion hatte leider den termin verplant, von ihren erfahrungen mit dem hafenklang, dem buttclub, dem vierteljährlichen stadtmagazin, dem schanzenfest und der flora. als dem vertreter der plattenfirma buback records das wort übergeben wurde, intervenierte ein gewissser günther j., seines zeichens experte auf dem gebiet des umstrittenen linken kulturbegriffs und auf der einladung zur veranstaltung sogar zitiert, mit der frage, was denn der buback-mensch dort zu suchen habe, bei dem label handele es sich doch schließlich um eine firma, die mit deutschrap millionen verdient habe und nicht um ein projekt. etwas verfrüht der einwurf, konnte man sagen, die angegriffene person hatte ja noch nicht einmal ein wort gesagt, und entkräftete j.s einwand mit klarer zustimmung. leider hielt sich der kritiker im weiteren verlauf des abends zurück, hatte womöglich den laden bereits frühzeitig verlassen, was zu bedauern war, da er ansonsten bestimmt noch ein wenig zündstoff in die doch etwas friedliche gesprächsrunde hätte einbringen können. so verblieb man weitestgehend bei dem benennen schwammiger grenzen („alles geht, bis es politisch unkorrekt wird“), den vor- und nachteilen einer anmeldung des schanzenfestes, der debatte um das böse nachbarzentrum, welches in kommerzieller manier den begriff der stadtteilkultur für sich reklamiert, und dem erinnern alter zeiten, als noch um die einführung von technomusik auf autonomenparties gestritten wurde.
was denn „das linke, also das gute“ nun eigentlich ausmacht, konnte nicht abschließend geklärt werden, aber einen gewissen unterhaltungswert hatte die peacige diskussionsveranstaltung mit vokü-ambiente dennoch anzubieten.

das war das wochenende

was hörm in einem kommentar als „ein heiszes program in hh“ vermutete, erwies sich als eher mau: der erste teil der hafenklang-abschiedssause war dank der mysteriösen „jesus skins“ sehr punk- bzw. oilastig besucht, die obere tanzfläche wurde wenig bis gar nicht genutzt, was immerhin den vorteil hatte, dass auch zu späterer stunde das überraschungsbuffet noch einiges vorhielt. plemo war zwar anwesend, aber, man munkelte aufgrund überhöhten alkoholkonsums, wohl nicht mehr in der lage, seinen gig zu absolvieren. stattdessen rettete der tante renate wenigstens ein bisschen von dem abend, an dem meine persönliche stimmung sowieso ziemlich weit unten war. als letzten gruß habe ich mein klowände-set nochmal um ein paar renovierungsbedürftige ansichten aufgestockt.

wesentlich angenehmer der samstag. altona-altstadt feierte ein straßenfest mit dezent politischem anspruch:
straßenfest

neben erwartungsgemäß hauptsächlich schlechten bands gab es einen flohmarkt, auf dem ich kostengünstig zwei t-shirts mit meiner lieblingscomicfigur erwarb:
mafalda

außerdem geriet ich spontan in ein nettes gespräch mit einem beteiligten der lookism.info-seite. mir waren vorher schon öfter einige diesbezügliche verweise in der stadt aufgefallen, was mich gewundert hatte, da ich das projekt eher in berlin verortet hatte:
lookism

den abend verbrachte ich verteilt auf der zum straßenfest gehörenden wagenplatzparty und einem politolog_innen-abschluss-fest, auf dem die aus berlin eingeflogenen patsy stone & plüschgeknister höchst tanzbare electronics auflegten, was leider die meisten besucher_innen nicht zu schätzen wussten. diverse positive begegnungen versüßten mir die laune, unter anderem unterhielt ich mich zum ersten mal mit einer person, mit der ich dies schon länger mal tun wollte und traf jemanden, der die option auf ein wiedersehen mit jemand anderem eröffnete.







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