kulturelle nabelschau

anlässlich des bevorstehenden schanzenviertelfestes luden „einige leute aus dem flora-umfeld“ zur talkshow in ebendieses etablissement, um unter dem titel „kultur und propaganda“ den stand und die (un)möglichkeiten einer linken kultur zu diskutieren. gut gefüllt die große halle, stilecht saßen vertreter_innen verschiedener, mehr oder weniger linker kulturprojekte auf polstermöbeln im dunklen scheinwerferlicht.
nacheinander berichteten sie zunächst, der delegierte der fusion hatte leider den termin verplant, von ihren erfahrungen mit dem hafenklang, dem buttclub, dem vierteljährlichen stadtmagazin, dem schanzenfest und der flora. als dem vertreter der plattenfirma buback records das wort übergeben wurde, intervenierte ein gewissser günther j., seines zeichens experte auf dem gebiet des umstrittenen linken kulturbegriffs und auf der einladung zur veranstaltung sogar zitiert, mit der frage, was denn der buback-mensch dort zu suchen habe, bei dem label handele es sich doch schließlich um eine firma, die mit deutschrap millionen verdient habe und nicht um ein projekt. etwas verfrüht der einwurf, konnte man sagen, die angegriffene person hatte ja noch nicht einmal ein wort gesagt, und entkräftete j.s einwand mit klarer zustimmung. leider hielt sich der kritiker im weiteren verlauf des abends zurück, hatte womöglich den laden bereits frühzeitig verlassen, was zu bedauern war, da er ansonsten bestimmt noch ein wenig zündstoff in die doch etwas friedliche gesprächsrunde hätte einbringen können. so verblieb man weitestgehend bei dem benennen schwammiger grenzen („alles geht, bis es politisch unkorrekt wird“), den vor- und nachteilen einer anmeldung des schanzenfestes, der debatte um das böse nachbarzentrum, welches in kommerzieller manier den begriff der stadtteilkultur für sich reklamiert, und dem erinnern alter zeiten, als noch um die einführung von technomusik auf autonomenparties gestritten wurde.
was denn „das linke, also das gute“ nun eigentlich ausmacht, konnte nicht abschließend geklärt werden, aber einen gewissen unterhaltungswert hatte die peacige diskussionsveranstaltung mit vokü-ambiente dennoch anzubieten.

2 kommentare

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  1. ich möchte meine these, dass günther j. (der weißhaarige reggae-professor und angeblicher erfinder der NIE WIEDER D parole) als agent provocateur auftreten wollte, bekräftigen. er hatte wohl gehofft mit der enttarnung des buback-menschen als vertreter einer firma, die mit DEUTSCHRAP MILLIONEN VERDIENT hat einen eklat in der flora anzuzetteln.
    hat aber nicht funktioniert, also ist er enttäuscht wieder gegangen.


  2. ALLE sind in die jahre gekommen, leben aber noch. IHRE linke liegt aber schon begraben unter der flora und ist als ausserparlamentariche kraft (um das mal zu bemühen neben dem schönen bild) nicht mehr relevant. gesprächsrunden über tote also. augenzwinkernd lächelt man sich zu und ist längst in der NEUEN MITTE zuhause. ich gebe der flora noch zwei jahre, dann ist das letzte leere symbole den nutten zum opfer gefallen und unter polizeischeinwerferlicht zwinkert man sich weiter lächelnd zu. was für ein palaver. löst eure bausparverträge auf und zieht endlich nach rissen


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