variable wahrnehmung

gestern auf der queer-elektro-party. während der liebste den nächsten wodka-kirsch besorgt, bietet mir ein neben mir sitzender junger mann von seinem wasser an, fragt mich schließlich: „ist das dein freund, der dich begleitet?“ ich nicke bejahend, er entgegnet ein „schade“. ich, nicht gerade solche direkten ansprachen gewöhnt, freue mich trotz desinteresse an besagter person ein bisschen über den zuspruch, überlege noch (die jüngsten debatten im mädchenblog im hinterkopf), ob dies eine zu platte anmache gewesen sei, zumal auf einer queer-party.
am nächsten morgen dann eine wendung der interpretation. galt das interesse vielleicht gar nicht mir, sondern meiner begleitung?, mutmaßten die mitfrühstückenden. und da erinnerte ich mich, an meine erste queer-party vor rund 7 jahren, als ein anderer junger mann mir eben diese frage gestellt hatte. damals verneinte ich sie, und im anschluss entstand eine junge liebe zwischen meiner damaligen begleitung und jenem jungen mann.
um wen es dem herrn von gestern abend nun ging, werden wir wohl nie erfahren. aber gezeigt hat es mir mal wieder, dass die dinge oft nicht unbedingt so sind, wie sie auf den ersten blick wahrgenommen werden.

13 kommentare

der URI für den trackback dieses eintrags ist: http://kristi.blogsport.de/2007/01/14/variable-wahrnehmung/trackback/

  1. ich würde ja sagen: direkt, nicht platt


  2. auch auf queer partys können menschen platt sein.oder direkt.kann ich nich wirklich beurteilen welches von beiden,da mir die welt der anmachen gänzlich absurd erscheint


  3. @ kristi: was wäre denn platt gewesen an der art uns weise des anspechens? ist deiner ansicht grundsätzlich jede art der demonstration heterosexuellen interesses platt und im gegenzug die von homosexuellem interesse ein anlass zum feiern? platt (wenn auch oft ehrlich) wär meiner meinung nach ein ansprechen das bezüge auf körper & sexualität beinhaltet. aber ich komm nicht mit, wenn auf parties nur kommunikation mit leuten `erlaubt´ ist die eh schon bekannt sind.
    @manny: was meinst du denn, wenn du von anmache sprichst? blickkontakt suchen? wie auch immer ansprechen? oder sowas wie: `hey, soll ich dir nen drink spendieren?´ mein problem hab ich ja schon geschildert…


  4. @yonde: wie ich oben schrieb, überlegte ich, ob es sich um platte anmache handelte, zu einem ergebnis war ich da noch nicht gekommen. ich möchte bigmouth zustimmen, dass „direkt“ vielleicht die bessere bezeichnung wäre, dennoch will ich versuchen, meinen gedankengang zu erläutern. zunächst stellte ich die mir gestellte frage in einen kontext mit kontaktaufnahmen à la „hast du einen freund?“, zumal nach der bejahung ein weitergehendes interesse ausblieb. das „platte“ daran könnte man so verstehen, dass sofort aus der ersten ansprache hervorgegeht, das ein sexuelles interesse besteht – ansonsten wäre das vorhandenseins einer beziehung ja kein hinderungsgrund für weitere kommunikation (den exkurs zur mononormativität erspar ich mir jetzt mal). in dem falle, das das interesse meiner begleitung gegolten hätte, wäre die ansprache insofern weniger „platt“ (bzw. direkt), als die interessierende person eben nicht „direkt“ angesprochen worden wäre, sondern über mich als mittler_in, indirekt sozusagen.
    wer sagt denn, dass nur kommunikation mit leuten erlaubt sei, die eh schon bekannt sind? ich bestimmt nicht. mir ging es bei diesem beitrag auch gar nicht darum, die erwähnte ansprache zu kritisieren, ich schrieb ja sogar, dass das interesse mir zunächst auch ein wenig wohlgefallen bereitete. vielmehr wollte ich mit diesem beitrag, auch selbstkritisch, andeuten, wie stark doch die prägungen durch bestimmte diskussionen (aber auch durch negative erfahrungen) sind, sodass die eigentlich nahe liegendere interpretation (ich erinnere: es handelte sich um eine queer-party) mir erst gar nicht in den kopf kam. also nix mit das eine verurteilen und das andere abfeiern!


  5. bitte darum mein obiges posting eher als nachfrage denn als kritik zu verstehen. auch meine ansicht zum thema ist etwas verschwommen. das etwas polemisch formulierte `darf man nur mit leuten reden, die man schon kennt?´ galt eigentlich eher manny als dir. allerdings will ich schon nochmal nachfragen, warum es `besser´ (im sinne von weniger platt) ist, dich zu fragen, wenn das interesse deinem freund gilt?
    du hast natürlich recht, dass das geäußerte interesse sich als `sexuell motiviert´ outet, wenn es verschwindet, sobald du sagst, dass du einen freund hast. ich frag mich nur: naja, sexuell interessiert an der ein oder andern person sind wir alle ab und zu. abzuklären, ob das interesse möglicherweise auf gegenseitigkeit beruht, muss ja irgendeine form finden. direktheit dabei wäre für mich nicht die schlechteste wahl. was platt ist und was nicht? keine ahnung. solang der betreffende interessent wieder abzieht, sobald du signalisiert hast, dass du nicht interessiert bist hat er doch eigentlich die wichtigste spielregel – nicht aufdringlich werden – befolgt oder?
    mir ist schon klar, dass dies aus weiblicher perspektive schnell sehr nervig oder sogar bedrohlich werden kann. habe auch nicht überlesen, dass du dich auch ein bisschen gefreut hast, finde nur die diskussion interessant und schreib deswegen nochmal was dazu…


  6. @yonde: um besser oder schlechter geht es doch gar nicht, wenn hier „platt“ im sinne von „direkt“ verstanden wird. zumindest möchte ich die beiden unterschiedlichen interpretationen nicht dahingehend bewerten, wenn das so rübergekommen ist, sei es hiermit korrigiert.


  7. @yonde:?hab doch garnix vonwegen nur mit leuten die mensch schon kennt gesagt.war auf jeden fall nich beabsichtigt.und unter anmache betitel ich einfach ma alles,was sexualität in welcher form auch immer als ziel hat.das „absurd“ war auch garnich als wertung gemeint,“fremd“ wäre vllt das bessere wort gewesen.
    mir gings eigentlich viel mehr darum,das „queer“ in bezug auf die party als irrelevant darzustellen.klar sind in queer-kreisen(wobei das n sehr weit gefächertes feld umfasst)evtl. andere möglichkeiten denkbar als in straight-bürgerlichen(?)-hetero-kreisen in bezug auf die person der die anmache gilt.aber dass das nicht zwangsläufig so sein muss/bzw. dass auch leute die sich als queer betiteln macker/spacken/sexisten oder whatever sein können,fand ich wichtig zu erwähnen..hui viel zu lang sry


  8. habt ihr vorher eigentlich noch was anderes geredet oder kam er direkt mit ‚ist das dein freund‘ ? dann wuerde ich schon eine ganz leichte tendenz zu plattheit sehen :-)
    ansonsten hat er dir ja zu trinken angeboten, also wuerde ich davon ausgehen, dass sein interesse eher dir galt.
    richtig platt finde ich das aber nicht, mit sicherheit sind meine eher direkten massstaebe auch nicht allgemeingueltig.
    schoener artikel, uebrigens.


  9. @salzundessig: das war es ja gerade, dass wir vorher gar nicht (außer dem getränkangebot) geredet hatten, was mich auf „anmache“ schließen ließ …
    danke für das lob, übrigens!


  10. ist das wirklich schon 7 jahre her? godness


  11. @langeher: in diesem frühjahr werden es tatsächlich 7 jahre sein … aber wer bist du denn? etwa eine der erwähnten personen?


  12. Also ganz ehrlich: Ich finde, dass es die brutalst sexistische Anmache war, die es so gibt! Dass Du, Kristi, Dich auch noch freust, zeigt nur, dass Du die geschlechtliche Rollenkonstruktion komplett internalisiert hast. Aber Du wirst es nie zu einer guten Feministin bringen, mit deiner lächerlichen RZB!


  13. Ich muss ja auch sagen, dass ich das sehr platt finde. Meine Anmachen leite ich jedenfalls immer mit einem Adorno- oder Butlerzitat ein. Platon geht auch, aber nur auf Queerparties.


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