nischenthema: fortsetzung folgt tatsächlich

Gusinde steht in einem ambivalenten Verhältnis zu anderen Vertretern der „Wiener Schule“, etwa zu P.W. Koppers. Er begleitete Gusinde auf einer Forschungsreise in Chile [und] publiziert in der Folge dessen Forschungsergebnisse in seinem eigenen Namen.

so heißt es in einer einführung in die kultur- und sozialanthropologie lateinamerikas. interessanterweise findet sich ebendiese publikation koppers‘ als scheinbar einzige volltext-version über die feuerlandindianer im netz. ich bleibe aber lieber beim original und habe den koppers, obwohl mir auch in papierform vorliegend, nicht in meine gerade an den prof geschickte literaturauswahl aufgenommen, musste da schließlich eh etwas selektieren.

ärgerlich indes, dass ich nicht mitbekommen habe, dass es letzte woche eine fernsehsendung zum thema gab. allerdings von einem tierfilmer gemacht – was irgendwie daran erinnert, dass die feuerland-indianer zu zeiten ihrer „entdeckung“ durch die europäer als zwischen mensch und tier stehend angesiedelt wurden …

dafür ziehe ich mir dann jetzt noch mal schnell die gerade gefundene arbeit über „geschlechterbeziehungen und frauenbild in martin gusindes ethnographien“ rein, denn da hab ich mir bei der lektüre des fetten wälzers über die yamana auch schon so meine gedanken gemacht, wenn gusinde z.b. über die „sittliche verlotterung“ schreibt:

Da sank manche Frau so tief herab, daß sie offensichtlich in einem freien Verhältnis mit einem Europäer monatelang lebte; war ein Teil des andern überdrüssig, führte dieser sowohl wie jener mit neuen Gesellschaftern das gleiche Treiben weiter.

(gusinde, martin: die feuerland-indianer, band II: die yamana, mödling bei wien 1937, s. 354)

4 kommentare

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  1. hallo!

    nochmals komplimente für deinen blog da.

    die überschrift „verlorene welt“ erinnerte mich irgendwie auch stark an den namen eines jurassic park films, denn mensch sicherlich nicht kennen muss.

    ich war mal in namibia an so einem postkarten-stand. da gab es postkarten von den bekannten wilden tieren afrikas sowie von sog. eingeborenen und zwar schön gemischt, damit mensch auch keine trennung erkennen konnte. wahrscheinlich sollte damit zugespitzt suggeriert werden das mensch sich hier postkarten der wilden des südlichen afrikas kaufen könne…


  2. hallo elenore, es freut mich sehr, dass dir mein blog gefällt und doch jemand etwas zu meinem „nischenthema“ zu sagen hat!
    welchen film du meinst, weiß ich nicht, ich glaube ich habe nur den ersten jurassic park gesehen, und das ist schon ewig her …
    in feuerland ist ja die spezielle lage, dass es eben praktisch keine eingeborenen mehr gibt, aber die erinnerung an sie – als menschen – ist doch präsent, z.b. sind viel straßennamen und auch der name der stadt ushuaia selbst aus dem yamana übernommen. das bringt den leuten nur leider heute nichts mehr …


  3. hallo.

    naja ich halte das ganze für ein äußerst schwieriges topic. einerseits ist es schon schade dass es die leute nicht mehr in der kultur und lebensform gibt-wenn vielen menschen etwas daran liegt.
    aber andererseits gehe ich davon aus das viele sich in die mainstreamgesellschaft des landes eingegeliedert haben, zb nach santiago gegangen sind?! und solange sie das nicht schlimm finden möchte ich nichts gegen sagen.

    wie groß ist denn der einfluß der mainstreamgesellschaft argentiniens/chiles gewesen? also sind ähnliche genozid-ähnliche szenarien wie in nordamerika vorgekommen?


  4. klar ist das ganze recht heikel, wenn es so um schutz von „völkern“ geht. aber was die frage nach integration in die mehrheitsgesellschaft angeht, war diese doch sehr begrenzt. von migrationsbewegungen richtung hauptstädte (ein teil von feuerland liegt ja in argentinien) habe ich nie etwas gehört, und es kommt mir auch nicht sehr wahrscheinlich vor. die vier feuerländer_innen-gruppen bestanden bis zum beginn der mission und kolonisation in der 2. hälfte des 19. jhd.s alle zusammen ja auch nur aus geschätzen 10.000 leuten, und innerhalb weniger jahrzehnte blieben nur noch ein paar hundert, schließlich ein paar dutzend; die leute starben sehr schnell, ohne dass neue geboren wurden. klar haben die wenigen, die bis zur entstehung der städte auf feuerland in der zweiten hälfte des 20. jhd.s überlebt haben, sich in die mehrheitsgesellschaft irgendwie integriert, es blieb ihnen ja nicht mehr die wahl, in ihrem stammesverband und nach ihrer alten lebensweise zu leben. zunächst hauten sie aber immer wieder von der missionstation ab, wenn es dort keine (wenn auch sehr gering entlohnte) arbeit gab, und zogen wieder umher um zu jagen etc. – sie widersetzten sich damit den versuchen der missionare, sie sesshaft zu machen.
    klar, kulturen kommen und gehen, trotzdem ist es irgendwie ganz schön traurig, wenn man sich mal genauer mit so einem untergang beschäftigt. allein die vorstellung, wie etwa die letzten yamana den forscher gusinde so freundlich aufnahmen, ihn wochen- und monatelang mit ihnen leben ließen, alle fragen beantworteten und schließlich sogar, obwohl 30 jahre nicht mehr durchgeführt, ihm zuliebe ihre jugendweihe und geheime männerzeremonie veranstalten (wo sie anscheinend auch selbst viel freude daran hatten), und alles in dem bewusstsein, dass dies ihre erste und wahrscheinlich letzte chance ist, ihre kultur für die nachwelt überhaupt festzuhalten, sie hatten ja keine eigene schrift.
    die zeit für eine transformation ihrer kultur, einer wie auch immer gearteten anpassung an die neuen zustände, war ihnen nicht mehr gegeben, die neuen bewohner_innen und deren einflüsse führten direkt zu ihrer auslöschung.


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