mein erster mantel

ich war heute zu einer dieser gutbezahlten gesprächsrunden eingeladen, wo leute, die sich scheinbar meistens als vollzeit-berufstätige mit herbeihalluziniert wirkenden jahresgehältern, quotengerechten schulabschlüssen und gerne wohl auch ausgedachten arbeitsplätzen ausgeben, professionell befragt werden (denn die meinung von hartz-IV-empfänger_innen interessiert den kunden ja nicht, die können die produkte dann ja später eh nicht kaufen und sind deshalb auch nicht repräsentativ für die zielgruppe), was allein schon dadurch ziemlich absurd ist, dass vollzeit-arbeitende im regelfall nicht mal eben tagsüber ein paar stunden freimachen können, aber irgendwie scheinen die kunden diesen widerspruch nicht zu bemerken oder zumindest nicht bemerken zu wollen.
nun ja, das schicksal – oder wohl eher die quote – war mir in diesem falle gnädig, denn ich wurde „ausgemustert“ und konnte mit meinem geld sofort abziehen. statt stundenlangem rumgeschwafel über produktinnovationen, werbestrategien und vermarktungsideen durfte ich mich nun direkt in die konsumwelt stürzen und das nun praktisch umsonst erhaltene geld wieder ausgeben. und siehe da: im selben laden, in dem ich letztes jahr mein höchst erfreuliches turnschuh-schnäppchen gemacht hatte, wartete auch diesmal eine überraschung auf mich. den „sale“-ständer durchcheckend (unreduzierte ware kann ich mir in solchen läden dann doch nicht leisten), an diversen emily-the-strange-shirts vorbei, stieß ich auf eine kleine auswahl heruntergesetzter – wintermäntel. nun muss ich dazu anmerken, dass ich bis auf den gut 30 jahre alten wildleder-mantel meiner mutter, der dann doch etwas eng sitzt und nur in absoluten ausnahmefällen zum einsatz kommt, noch nie einen mantel mein eigen nannte. aber, vielleicht ist es dann doch das alter (irgendwann muss man ja wenigstens so tun, als wenn man erwachsen wäre), es schien der moment gekommen zu sein, meine mantel-verachtung aufzugeben, denn ein schwarzes exemplar der mir bis dato unbekannnten marke ragwear sprach mich sofort an. begünstigt durch den reduzierten preis von nicht mal fünfzig tacken und einen style, der eben nicht nach h&m aussieht, musste ich einfach spontan zuschlagen – denn wo sonst bekommt man zum herbstanfang winterbekleidung zum halben preis? plötzlich erschienen die vorteile eines mantels, meinerseits sonst stets ausgeblendet, ganz deutlich auf der hand: nie mehr kalte nieren, nicht mal beim fahrradfahren! selbst die oberschenkel kriegen noch ein bisschen wärme ab! man könnte dazu sogar einen rock anziehen und es würde gut aussehen!
auch wenn das glück des konsums ein täuschendes ist, musste ich mir doch zugestehen, dass mir der spontane kauf eine gewisse freude bereitete, und meine laune plötzlich einen sprung nach oben machte. zumindest kann der winter jetzt kommen, ich bin auf ihn vorbereitet.

3 kommentare

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  1. wenn du shoppen gehst, also, tust du das mit einem longboard? (oder was bedeutet dieses dingsi, da unter „puppe spielen“)


  2. schön, dass dir die illustration aufgefallen ist :-)
    aber nein, das board steht lediglich dafür, dass ich den mantel in einem skateshop gekauft habe, den gab es nicht als hintergrund zur auswahl. wobei es sowieso ein großer zufall ist, dass ausgerechnet seit heute die kleidung „mantel anprobieren“ sowie der hintergrund „shopping-center-innenansicht“ zur auswahl stehen!


  3. Das ist wirklich sehr interessant.


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